Die Günther-Schule

1925 tritt Maja Lex in die Günther-Schule München ein (damals noch unter dem Namen Bund für angewandte und freie Bewegung e.V.), und begegnet dort zwei Persönlichkeiten, die entscheidenden Einfluß auf ihre persönliche und künstlerische Entwicklung haben sollen: Dorothee Günther und Carl Orff. Sie leiten die fortschrittlich konzipierte Schule mit einem dreifach differenzierten Ausbildungsangebot von integrativer Musik- und Bewegungserziehung.

Im 1. Ausbildungsjahr, 1925
Im 2. Ausbildungsjahr, 1926

Nach der Einführungszeit entscheidet sich Maja Lex für die Bewegungsschulung mit musik-rhythmischer Sonderschulung mit der sich hier anbietenden Perspektive, ihre Musikkenntnisse integrieren und erweitern zu können. Die 'Bewegungsschulung mit raum-rhythmischer und choreographischer Sonderschulung' (abgeleitet von den Laban’schen Grundprinzipien) (7)* übt auf sie wegen der Betonung auf Pantomime, Karikatur und Groteske keine Anziehungskraft aus. Die Geisteshaltung der Schule, geprägt von der großzügigen und liberalen, wenngleich strengen Persönlichkeit Dorothee Günthers, begeistert Maja Lex.

Sie folgt gebannt ihrem Unterricht, sei es Kulturkunde, Bewegungszeichnen oder Stimmbildung, ist "elektrisiert" von der Urmusikalität von Carl Orff und den Improvisationen auf musikalischem Gebiet, schätzt die funktionelle Gymnastik, die ‘Wege über den veränderten Körper’ eröffnet, ist aber ausgerechnet von ihrem Hauptbewegungsfach (Leitung Herta Hackert) unbefriedigt. Die Eintönigkeit der simplen, sich immer gleich wiederholenden Bewegungen, verbunden mit unzusammenhängenden Ausdrucksübungen, denen sie führungslos gegenübersteht, machen sie nicht glücklich. Maja Lex verfügt über zu wenig Erfahrung, um eine eigene Vorstellung eines lebendigen und stimmigen Unterrichts zu haben. Sie erlebt nur, daß diese in konventionell geprägten Formen stagnierende Art sie nicht überzeugen kann. Ihre zurückhaltende, liebenswürdige Natur überwindend, bittet sie Dorothee Günther zu einem späteren Zeitpunkt, von den Aufführungen dieses Faches befreit zu werden. Es widerstreben ihr zu sehr die pantomimischen, dramatischen Darstellungen, die insbesondere der sprühenden Phantasie des "Theatermenschen" (8) Orff entspringen. Rhythmus, Musik und reine Bewegung im Raum ist der Urstoff, aus dem Maja Lex’ Tanz Gestalt annehmen will - und durch die Begegnung mit Gunild Keetman ihre hohe künstlerische Realisierung an der Günther-Schule findet.